Gewalt besteht nicht nur im physischen, psychischen, sexuellen, verbalen, finanziellen oder strukturellen feindlichem Agieren, sondern schädigt ebenso wie Ignorieren oder Unterlassen […]

Viele Menschen sehen es als zulässige Form von Strafe an, „ungehorsame“ oder „nervende“ Kinder auszusperren. Sie verstehen nicht, dass das Folter sein soll.

Wir leben in einer dualen Welt – in einer Welt, die wir in Abgrenzungen und Gegensätzen wahrnehmen. Der Sündenfall – Sünde von sondern, absondern – besteht im Herausfallen aus der paradiesischen Einheit. Die kann man Gott nennen oder auch Mutterleib oder auch Mutter Erde, aus der in der poetischen Sprache des Ersten Testaments JHWH den Menschen formt und in die unser aller Körper in unterschiedlicher Form zurück sinken, egal ob in einer Erd-, Feuer- oder Wasserbestattung […]

Als ich 2003 medial heftig gegen das angeblich so lustige „Pastern“ als Aufnahmeritual im GAK protestierte, wurde ich einige Zeit mit Drohanrufen (Facebook und Twitter waren noch nicht „in“) belästigt. Man wollte mich einschüchtern, der Lächerlichkeit preisgeben oder auch mundtot machen. Verständlich: Wer erträgt schon die plötzliche Einsicht, missbraucht worden zu sein in einer Umwelt, die dazu neigt, persönliche Betroffenheit als Einzelreaktion herunter zu spielen? […]

Ich versuche das Wort Streit so gut es geht zu vermeiden. Es schafft nämlich allein durch das Aussprechen oder Lesen bereits eine Atmosphäre von Intoleranz und erhöht damit die Gewaltbereitschaft […]

In letzter Zeit wurde oft die Frage gestellt, ob die Medien mit schuld seien an Hasspostings oder auch der Verrohung der Sprache. Teils ja, teils nein, lautet meine Antwort.

Sprache orientiert sich grundsätzlich am gesprochenen Wort und daher an den Bezugspersonen, die wir als Kleinkinder imitieren, und da schon fällt es vielen schwer, grammatikalisch halbwegs korrekte Sätze zu bilden, wenn daheim nur im Befehlston „gebellt“ wird. Zur Erinnerung: Immer wieder werden Zeitangaben veröffentlicht, wie erschreckend wenig beziehungsorientiert Paare miteinander reden – so zwischen 5 und 10 Minuten täglich, Tendenz abnehmend. Statt dessen wird nunmehr gesimst … Doch was man nicht übt, verkümmert – davor warnt ja auch der Volksmund mit „Wer rastet der rostet“ oder auf Englisch „use ist or loose it“ […]

Der 10. Dezember ist der Tag der Menschenrechte. Zu diesen gehört das Recht auf die Unversehrtheit der Person, das in manchen Verfassungen ausdrücklich formuliert ist, in anderen sich aus dem Verbot von Folter, grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe ergibt (Art. 5 der Allgemeinen Erklärung der der Menschenrechte der UNO).

Leider werden in manchen Kulturen weibliche Menschen aber nicht als Menschen, sondern als Sachen angesehen, die man(n) im Eigentum oder Besitz hat […]

Die der extremen Rechten zugezählte französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen will Schulbildung auf Inländer einschränken, lese ich heute auf http://www.orf.at/#/stories/2370273/ , denn „die nationale Solidarität“ müsse sich „gegenüber Franzosen äußern“, und: Ausländer sollten nicht erwarten können, dass „ihre Kinder umsonst ausgebildet werden“.

Der Wiener Arzt und Sozialreformer Julius Tandler (1869–1936) hingegen wusste: „Wer Kindern Paläste baut, reißt Kerkermauern nieder.“ […]

Das altgriechische Wort „diabellein“ bedeutet „auseinander schleudern“ oder auch „verwirren“. Es steckt in unseren Begriffen „diabolisch“ drin oder auch in „Diavolo“ – Teufel. Er ist der, der trennt – „spaltet“ – und verwirrt.

Spalten kann man horizontal: Zwischen Jungen und Alten, Frauen und Männern, Einheimischen und Fremden, Menschen die fit sind und solchen mit Behinderungen … und immer wieder zwischen angeblich Linken und Rechten. Der Linzer Wirtschaftsprofessor und NLP-Master Walter Ötsch nennt diese Methode in seinem Buch „Haider light“ die Teilung in die „WIR“ (die immer Recht haben) und die „Anderen“ (die weg gehören) […]

Nausea ist mehr als nur Brechreiz. Wo dieser sofort vorbei ist, sobald man das Unverdauliche aus sich heraus-gedrückt hat und einem Gefühl sauberer Leere Platz macht, dauert Nausea lang an: Man fühlt sich vergiftet, geschwächt, wund.

Das Wort stammt vom griechischen naus, das Schiff (vgl. Nautik, Schifffahrtskunde), und wer schon einmal seekrank war, weiß, dass diese Form von Übelkeit im Gehirn (durch eine Beeinträchtigung des Gleichgewichtsorgans infolge widersprüchlicher Sinneseindrücke) und nicht primär vom Magen her hervorgerufen wird […]

Der von mir unlängst hier („Eliten“, 25. 11.) zitierte Reginald Földy, mit dem ich gemeinsam „Die starken Zweiten – Träger des Erfolgs“ geschrieben habe, kam nicht mehr dazu, sein geplantes Österreich-Buch „Glücklich ist, wer vergisst – das Operettenlibretto als Staatsräson“ zu schreiben. Schade. Er hätte heute viel dazu zu sagen, wenn Bundespräsidentschaftskandidaten des Vergessens geziehen werden (kommentiert von Viktor Hermann in den Salzburger Nachrichten, 30. 11.) […]

Wohl sicherheitshalber spricht nun auch Donald Trump von „illegal abgegebenen Stimmen“ und Betrug, nachdem Jill Stein, die erfolglose Präsidentschaftskandidatin der Grünen, eine Neuauszählung verlangt hat. Für wohlerzogene Menschen in Europa ist wohl irritierend, dass er immer wieder mit Kriminal-Etikettierungen wie „Verbrecherin“ und „gehört ins Gefängnis“ um sich schmeißt und nun neuerlich auf Wut macht – denn wäre er seiner Sache sicher, könnte er ja gelassen das Ergebnis abwarten […]

Donald Trump tat es und Norbert Hofer tut es auch: Sie attackierten ihre direkte Konkurrenz und alle, die sie unterstützen, indem sie sie als vom Volk abgehobene Elite skizzieren. Nur Wahlkampfgetöse … oder doch mehr?

Geht es um „Eliten“ oder um „vom Volk abgehoben“? Von welchem Volk? Vom Wahlvolk? Das sind wir alle (außer diejenigen, denen das Wahlrecht entzogen wurde – die sind auch „abgehoben“. Und abgehoben wird ja auch das Fett von der Suppe – manchmal.) […]

Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer sagte bei einem Wahlkampfauftritt in Tirol wörtlich: „Kennt ihr einen Moslem, der im Pflegebereich arbeitet, der bereit ist, unseren Senioren vielleicht die Windeln zu wechseln? Ich kenne das nicht.“ Und er sagte den ersten Satz ohne besondere Betonung mit einer neutralen Miene, für den kurzen zweiten aber hackte er die einzelnen Worte ab und machte dazu eine Grimasse […]

So rund um 15, in der Hochpubertät, stellt sich für alle die Frage: Was für ein Mann, was für eine Frau will ich werden? Den klügeren ist diese auszufüllende Zukunftsperspektive bewusst, sie fragen, sie denken nach, sie vergleichen – und sie suchen Orientierung an Vorbildern.

Letzteres tun auch die weniger Klugen, sie orientieren sich aber an Filmhelden und zunehmend auch Heldinnen, und die sind selten alltagstauglich weil generell gewalttätig. Kung Fu ohne die dazu gehörige Philosophie des Nicht-Angreifens […]