Ob ich Donald Trump für einen Narzissten halte – oder gar Mahatma Gandhi oder Martin Luther King, fragte mich der Journalist, weil sie doch unentwegt in die Öffentlichkeit drängten? Nein antwortete ich (nachzulesen in der heutigen Furche): Gandhi war Rechtsanwalt, King war Pastor, beide Berufe qualifizieren ihre Angehörigen dazu, überzeugende Reden zu halten – das sei ja wesentlicher Bestandteil dieser Profession, weswegen man sie bezahle. (Außerdem sollte man auch bedenken, dass beide eine „Prophetenberufung“ hatten – nämlich Ungerechtigkeiten aufzuzeigen – und dass sie ihr Risiko, ermordet zu werden, kannten – es gab ja genug Drohungen! Einen Narzissten würde das abschrecken und zu einer mehr oder weniger eleganten „Risikoverschiebung“ anregen – aber das würde man schlussendlich erkennen und ihm übel nehmen.)

Bei Trump beobachte ich nicht das typische narzisstische Lächeln (wie bei Boris Johnson) und die triumphierende Freude an der eigenen Überlegenheit, das Runtermachen anderer (wie bei Nigel Farage). Trump zeigt typische Anzeichen von Anstrengung, Kraft darzustellen, seine Atmung ist gepresst, sein Blick leer, seine Mundwinkel sind beleidigt herabgezogen, seine Gestik ist stereotyp – so etwas ist nicht antrainiert, sondern enttarnt sich als Haltung, nicht genug Anerkennung zu erhalten (und die wird gleich auf das ganze Land verschoben: to make America great again) – aber das würde ich nicht als narzisstische Dauerkränkung pathologisieren, sondern als Verbitterung verstehen – vielleicht wegen des Alterns? Wegen befürchteter Enttarnung als Popanz? […]

hier weiterlesen >>>

In der Gratiszeitung HEUTE mokierte sich vor drei Tagen ein Schreiberling (https://clipmanager.observer.at/pdf/BBF9784F-5A3B-4118-A64B-70CDE526477B/3327756)  über einen Fachhochschullehrgang-Lehrgang, in dem Interessierte wissenschaftlich fundiert aber auch in Exkursionen biblische, religionswissenschaftliche, theologische, historische, politische wie auch betriebswirtschaftliche, organisations- und tourismuskundliche Kenntnisse  sowie Kompetenz im experience design erwerben können (https://www.fh-krems.ac.at/studium/lehrgaenge/biblisches-reisen/#ueberblick). Offensichtlich wollte der Autor des Schmäh-Artikelchens die Leserschaft im Sinne von „Only bad news are good news“ mit seinem Spott anstecken – und das ist ihm auch gelungen.

Dass hier hochseriös Grundlagen für einen neuen freien Beruf gelegt werden, hat er entweder nicht verstanden oder ignoriert. Und da er – wie seinem Text zu entnehmen ist, auch keinerlei Information über den Inhalt des Lehrgangs – da hätte er ja die ihm vermutlich zugegangene Presseinformation lesen oder zusätzlich recherchieren müssen – publiziert hat, hat er eigentlich die Grundregeln des Journalismus missachtet und verletzt. Eigentlich wäre eine Anzeige beim Presserat fällig. Aber was solls, werden nun viele denken, die sich – lustig lustig – dem Spott anschließen, es ist ja nur HEUTE.

Ich finde das gar nicht lustig und habe das in einem facebook-Kommentar zu dem Posting mit Beiwort „zornig“ eines – wie ich glaubte – Freundes, den ich bisher sehr schätzte, kund getan. Ich nehme an, dass ich jetzt aus seinem Freundeskreis ausgegrenzt wurde … quasi „Rote Karte wegen Kritisierens“. Vielleicht hätte ich deutlicher machen sollen, was da passiert ist: eine Infektion mit einem Hass-Virus […]

hier weiterlesen >>>

Da wurden heute abenteuerliche Geschichten aus dem Amt für Korruptionsbekämpfung publiziert (https://www.krone.at/2088709?fbclid=IwAR0hId6vhPhDwvGd8WgAEgbhfpVY71QvZwdBiTMKZp6rarwM825KwSS1CcQ): Der – bereits versetzte – Leiter soll zugegebenermaßen im Bademantel Mitarbeiter*innen schockiert haben … und was da wirklich vor sich gegangen ist und von den Kolleg*innen als sexuelle Belästigung gewertet wird, erhebt jetzt fürs erste eine Disziplinarkommission.

In den 1990er Jahren, als ich noch für viele Bereiche der Stadt Wien mein interdisziplinäres Fachwissen (als Juristin, Sozialtherapeutin, Präventionsexpertin, Gesundheitspsychologin und Mediatorin) zur Verfügung stellen durfte (ich darf es schon lange nicht mehr), hielt ich einmal auch ein Seminar zum Thema „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ für die Wiener Verkehrsbetriebe ab. Die Teilnehmer waren ausschließlich männlich.

Am Vormittag spöttelten sie noch herum, was sie denn da sollten, das wäre doch kein Problem, sie wären alle faire Partner im Betrieb etc. Ich erklärte ihnen an Hand der Transaktionsanalyse, woran man Belästigung erkennt und wie man sie von Spielen (in der Fachsprache „games“ z. B. Flirts oder Scherzen, im Gegensatz zu „plays“, nämlich Power Plays) unterscheidet. Dann war Mittagspause und die Männer zogen sich zum „unter sich sein“ zurück. Als sie wiederkamen, waren sie verändert: Ist es sexuelle Belästigung, fragten sie, wenn einem ein Kollege ungefragt seine sexuellen Erlebnisse vom Vortrag „reindruckt“? Ja, das ist es. Entweder er will mit seiner Männlichkeit konkurrieren, den anderen subtil abwerten oder sich in seiner Selbstdarstellung nochmal begeilen … beides gehört nicht in die Arbeitszeit (dafür wird keiner bezahlt) und eigentlich nirgendwohin – außer vielleicht in eine Selbsthilfegruppe für Sexsüchtige […]

hier weiterlesen >>>

Was mir immer wieder auffällt: Wenn ich in einem Seminar oder einer Gruppe zu einem bestimmten Thema – z. B. Konkurrenz – arbeite, findet genau das während der Arbeit statt. Ich nenne das einen „Parallelprozess“.

Susanne Wiesinger, die ehemalige „rote“ Lehrergewerkschafterin, wurde auf Grund ihres Erstlingsbuchs über den „Kulturkampf im Klassenzimmer“ in die Höhen des Bildungsministeriums berufen – als „Ombudsfrau für Wertefragen und Kulturkonflikte“ – und genau diese haben sie dort selbst erreicht. (Der Standard, 21. 01. 2020, Seite 2.)

Nun kann man darüber diskutieren, ob sie ihrem Arbeitgeber gegenüber illoyal war, als Beamtin mit ihrem Zweitbuch „Machtkampf im Ministerium“ ihre Pflicht zur Amtsverschwiegenheit gebrochen hat – oder auch nur eine Turbo-PR für dieses Buch initiieren wollte (oder ihren Verlag, der schon mit seinem Namen quo vadis veritas wohl seine Aufdeckerqualität signalisieren will). Am Inhalt kann es nicht gelegen sein – denn auch wenn ich diesen nur aus den Medien erfahren habe, habe ich nichts Neues erfahren (hab ja selber 2007 und 2009 meine Lehrer-Studien in Buchform veröffentlicht s. www.perner.info – Publizistik / Bücher). Z. B. den vorauseilenden Politgehorsam hat schon Erwin Ringel (1921–1994), der „Psychiater der Österreichischen Seele“, immer wieder kritisch hervorgehoben […]

hier weiterlesen >>>

Das Wort Störung lässt offen, wer sich wovon gestört fühlt.

Meist sind es nicht diejenigen, denen diese „Diagnose“ angeheftet wird, sondern Personen wie Lehrkräfte, Vorgesetzte oder Nachbarn, die nach Experten rufen, die die „Gestörten“ wieder „normalisieren“ sollen. In der psychoanalytischen Sozialtherapie – einer von den Psychoanalytikern Harald Picker, Max Kompein und Klaus Rückert in den 1970er Jahren entwickelte Methode zur Prävention wie auch friedfertigen Regelung von Konflikten im sozialen Feld, die ich auf Grund meiner fünffachen Psychotherapieausbildung zu „meiner“ PROvokativmethodik (ursprünglich PROvokativpädagogik für den Schulunterricht) weiter ausgebaut habe – lautet ein Grundsatz: Probleme nicht an Experten „weg zu delegieren“ sondern selbst so kompetent werden, dass man sofort, d. h. in der Situation und nicht erst Tage und Wochen oder gar Monate später, deeskalierend intervenieren kann.

Dieses Prinzip basiert auf den Sichtweisen des in Wien geborenen und in Lateinamerika (auch als Hochschulrektor) wirkenden Philosophen und römisch-katholischen Priesters Ivan Illich (1926–2006), der meinte, im Urwald des Amazonas brauche man keinen Dr. med. univ. sondern einen Sanitäter, der die wichtigsten lokalen Krankheiten zu behandeln wisse und den schnellsten Weg zum nächsten Krankenhaus kenne […]

hier weiterlesen >>>

„Verteidiger Stefan Harg verwies auf die Persönlichkeitsstörung des Angeklagten und dessen tiefe Kränkung durch den Behördenvertreter“ (Der Standard, 23. 01. 2020, S. 10), weswegen der Dornbirner Amtsleiter sterben musste. In den Salzburger Nachrichten vom 21. 1. (Seite 8) wird der Angeklagte mit den Worten zitiert, er habe lediglich „von Mensch zu Mensch“ mit dem Sozialamtsleiter sprechen wollen, und der hätte nur „nett sein müssen“.

Mit „nett“ meinte der – wie berichtet perfekt Hochdeutsch sprechende – bereits in Vorarlberg geborene Austrotürke wohl „respektvoll“, und da hapert es bei vielen Amtspersonen. Denn selbst wenn sie auf Schimpfworte verzichten, kommt doch die Geisteshaltung zum Durchbruch, die verdeutlicht, was man von seinem Gegenüber hält. Deswegen sind Kommunikationsschulungen für Beamt*innen so wichtig – denn wenn eine Situation immer stärker emotionalisiert abläuft, hat kaum jemand Untrainierter Zeit, sich alternative Worte oder auch andere Verhaltensweisen zu überlegen. Man braucht bereits ein vorgefertigtes Repertoire – und das kann man sich auch selbst erarbeiten, wenn man die „Technik“ dazu kennt. In der von mir entwickelten PROvokativpädagogik / PROvokativmethodik (so der Titel meines Buches dazu, bestellbar über aaptos@perner.info) zeige ich: entweder mit Humor (was im konkreten Fall wohl nicht gepasst hätte) oder eben sehr ernsthaft und respektvoll […]

hier weiterlesen >>>

Ein Mem, so dessen Wortschöpfer, der britische Zoologe Richard Dawkins (*1941), kann bestehen in „Melodien, Gedanken, Schlagworten, Kleidermode“ oder aber auch etwa in der Art, Töpfe zu machen oder Bögen zu bauen. Und es multipliziert sich: „So wie Gene sich im Genpool vermehren, indem sie sich mit Hilfe von Spermien oder Eiern von Körper zu Körper fortbewegen, so verbreiten sich Meme im Mempool, indem sie von Gehirn zu Gehirn überspringen mit Hilfe eines Prozesses, den man im allgemeinen Sinn als Imitation bezeichnen kann.“ Dawkins schildert, „Wenn ein Wissenschaftler einen guten Gedanken hört oder liest, so gibt er ihn an seine Kollegen und Studenten weiter. Er erwähnt ihn in seinen Aufsätzen und Vorlesungen. Kommt der Gedanke an, so kann man sagen, dass er sich vermehrt, indem er sich von einem Gehirn zum anderen ausbreitet.“ („Das egoistische Gen“, Seite 227, Hervorhebung von mir.)

Leider vermehren sich aber nicht nur gute Meme. Da lese ich doch heute in orf.online „Hass im Netz: Zadic will nicht klein beigeben“ (https://orf.at/stories/3150619/).

Ja gehts noch? Was soll sie denn „klein beigeben“? […]

hier weiterlesen >>>

Dass es schon vor ihrer Berufung als Justizministerin aus Reihen der Freiheitlichen Partei ausgegangen ist, die Rechtsanwältin Alma Zadic einzig auf ihren Geburtsort hin zu definieren  und ihr dazu noch eine Legende von einer angeblichen Verurteilung und eine von einem angeblichen islamischen Religionsbekenntnis anzudichten, ist in den seriösen Medien hinlänglich korrigiert worden.

Von dem berühmten deutschen Schriftsteller Kurt Tucholsky (1890–1935) – der ohne abgeschlossenes Jus-Studium auf Grund einer exzellenten Dissertation sogar „summa cum laude“ promoviert wurde! und dessen Geburtstag sich heute, am 09. Jänner, zum 130. mal jährt – stammt der Aphorismus „Die meisten Antisemiten sagen mehr über sich selber aus als über ihren Gegner, den sie nicht kennen.“ (https://tucholsky.de/die-meisten-antisemiten/ ) Ich ergänze: Und den sie auch gar nicht kennen lernen wollen.

Kennen lernen bedeutet vor allem auch „erkennen“. Schon in der Bibel heißt diese Botschaft sinngemäß „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.“ (1 Johannes 2, 1–6) – nämlich welche Gesinnung hinter den jeweiligen Taten steckt. Und in Antoine de Saint-Exupérys Kultbuch „Der kleine Prinz“ weiß der kluge Fuchs, „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“ Das wissen alle, die jemand – etwas – lieben, geliebt haben und nicht aufhören, in dieser Liebe zu bleiben. Zum Beispiel eine neue Heimat und vor allem auch die Menschen in dieser neuen Heimat, die bereit sind Verantwortung zu teilen […]

hier weiterlesen >>>

70 % der Schülerschaft einer Meidlinger Volksschule wären bereits übergewichtig, mahnt der Ernährungswissenschaftler Kurt Widhalm (https://wien.orf.at/stories/3028871/) und fordert deshalb 30 Minuten Sport pro Tag. Das ist zwar gut gemeint, verstärkt  aber nur das Problem.

Der zutiefst menschliche und leider auf tragische Weise bei einem Brand ums Leben gekommene Wiener Sozialpsychiater und Psychoanalytiker Hans Strotzka (1917–1994) betonte bereits in den 1980er Jahren, dass Bewegungsmangel bei Kindern – sofern genetische Faktoren ausgeschlossen werden können – ein „neurotisches Symptom“ sei. (Neurotisch bedeutet, dass ein Symptom auf Verschaltungsmustern der Nervenzellen beruht.) Alles Lebendige bewegt sich, mal schneller, mal langsamer und meist unkontrolliert – denn bis sich ein Kleinkind gezielt und beherrscht bewegen kann – aber auch darf! – dauert es üblicherweise ungefähr zwei Jahre.

Das „Dürfen“ ist deswegen so wichtig, weil Dauereinschränkung – weil die Wohnung zu klein, zu hellhörig, zu Grünflächen-fern ist, Eltern, Mitbewohner oder Nachbarn zu lärmempfindlich / genervt sind (ein Teufelskreis à la zuerst Henne oder Ei?) – oder weil der neue Erdenbewohner angeschrien, beschimpft, bestraft wird, was zu körperlicher Zurückhaltung führt (d. h. man verkleinert instinktiv die Angriffsfläche des Körpers), für das Kind (oder auch den erwachsenen Adressaten dieser Botschaften) im Klartext bedeutet: Du darfst nicht so sein wie du (augenblicklich) bist […]

hier weiterlesen >>>

Energiesparen und Klimaschutz – zwei Begriffe, die noch vor zwanzig Jahren fast nur bei den einschlägig forschenden Fachleuten Präsenz beanspruchen konnten, nicht aber im Denken einer Durchschnittsbevölkerung, die auf den technischen Fortschritt vertraute, der schon „was Passendes erfinden würde“. Und auch wenn medial (soziale Medien mitgemeint) widersprüchliche Theorien und Verbesserungsvorschläge gegeneinander ausgespielt werden, beginnen immer mehr Menschen nachzudenken, wie weit die Probleme der steigenden Wassermassen und zunehmenden Flächenbrände nicht doch reaktive Maßnahmen erfordern würden. Und zumindest Respekt vor den Menschen, die vor dem unerträglichen Klima flüchten. Aber wie immer, wenn man noch keine perfekte Perspektive besitzt, was konkret zu tun ist, münden die Alltagsdiskussionen (leider auch vieler wenig fachkundiger Politiker) in einer „Vergiftung“ des sozialen Klimas.

Und dafür sind nun aber wirklich die jeweiligen Kontrahenten verantwortlich […]

hier weiterlesen >>>

Seit Februar 2019 bin ich ja seit vielen Jahren der Verweigerung nun auch auf Facebook – und noch lange nicht mit allen Möglichkeiten vertraut. Jedenfalls weiß ich jetzt: Auch hier droht das, was ich den „Eiskasten-Effekt“ nenne (und was mir meine Lektorin in meinem Buch „Der erschöpfte Mensch“ der nachbarlichen Germanen wegen auf „Kühlschrank-Effekt“ ausgebessert hat), dass man nämlich so, wie man gelegentlich zum Eiskasten schleicht – ohne Hunger, ohne Appetit auf was Bestimmtes, nur so … in der Hoffnung, dort irgendwas Anregendes zu finden, das die innere Leere füllt – mit ähnlicher Motivation auf der eigenen Startseite surft … Und da möchte ich mich gleich bei all den Freundinnen (nur Frauen) bedanken, die ästhetisch hochwertige Kulturbilder und -videos teilen und nicht nur Hunde und Katzen, Blumen, die eigenen Füße und Stylings und meist eher unappetitliche Fotos von ihren kulinarischen Untaten. (Gottlob hab ich daheim nach zwei verschmorten Teekesseln und etlichen versauten Töpfen Kochverbot – frau sollte halt nicht den Herd mit dem Computer betrügen …) […]

hier weiterlesen >>>

Dass bei Fußballmatches oft abenteuerliche Fouls zu beobachten sind, die eher zum Catch as catch can passen als zu einem „professionellen“ Sport (d. h. nach Regeln und mit einem Schiedsrichter der abpfeift, wenns zu arg wird), kann als bekannt voraus gesetzt werden. Diese physischen Fouls hat Box-Legende Cassius Clay alias Muhammad Ali (1942–2016) durch psychische ersetzt: Den Gegner umtänzelnd beschimpfte er ihn und schwächte so gezielt dessen Immunsystem. Genau so wird auch in Wahlkämpfen gerne treffsicher gefoult. (Ich schreibe bewusst „gerne“, weil ich selbst in meiner Zeit als Kommunalpolitikerin und Mitglied in vielen übergeordneten Gremien erlebt habe, wie sehr sich manche Männer – Frauen hingegen nie – an dem Aushecken solcher Taktiken – und auch am erhofften Applaus ihrer Claqueure – delektiert haben.)

Deswegen finde ich es auch extrem unfair, wenn der NEOS-Abgeordnete Sepp Schellhorn – gleisnerisch: ohne ihr „die Kompetenz abzusprechen“ – die 2004 nach dem Wechsel von Liese Prokop ins Innenministerium als Quereinsteigerin in die niederösterreichische Landesregierung berufene, zuletzt seit 2009 Wirtschaftslandesrätin, Dr. Petra Bohuslav als „Politbesetzung“ abzuqualifizieren versucht (https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20191220_OTS0124/neos-zu-postenbesetzungen-im-kulturbereich) […]

hier weiterlesen >>>

Ein Kinderchor, sichtlich lustvoll dirigiert – von wem? vom Schöpfer des Liedes? Bitte ein diesbezügliches Outing! – ist auf der Facebook-Seite des WDR mit einem „frechen“ Lied zu hören, Beginn „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist ne alte Umweltsau.“ (https://www.oe24.at/welt/Meine-Oma-ist-ne-alte-Umweltsau/411087229) und es folgt ein Shitstorm … sogar das ehemalige enfant terrible unter den österreichischen Nationalratsabgeordneten (erst Team Stronach, dann ÖVP, dann „wild“ = ohne Klubzugehörigkeit), Internist Dr. med. Marcus Franz meldet sich mit der „Diagnose“ „linkgrüner Dreck“ und „Kindesmissbrauch“ zu Wort – und der Sender entfernt das Video. Auch bei meinen Mitarbeitern im Team ist dieser Song nicht gut, nämlich als ageistisch (analog sexistisch oder rassistisch) angekommen.

Bei mir nicht.

Auch wenn ich keine Freundin des deutschen Holzhammerhumors bin, finde ich das Lied als Protestsong geeignet, denn aus meiner Sicht diskriminiert es nicht Menschen sondern Verhalten. Und das finde ich gut so.

Nicht gut finde ich, wenn man sich ohne viel nachzudenken sofort in Empörung d. h. Angriff hineinsteigert – oder in Angst d. h. Flucht (wie der WDR) anstatt mit Erklärungen und Argumenten Stellung zu beziehen […]

hier weiterlesen >>>

Als ich in den 1970er Jahren, kurz nach meiner Übersiedlung in den zehnten Wiener Gemeindebezirk, urplötzlich – weil ohne mich zu fragen – zur Favoritner Kommunalpolitikerin gewählt wurde, hörte ich viel Lobenswertes über die dort befindliche Neulandschule. Vorher hatte ich nie was von ihr gehört. Gesehen habe ich sie nie.

Heute Nacht habe ich den autobiographischen Roman „Fromme Begierden“ von Michael Amon (1954–2018) ausgelesen, der sich in zwei Säcken voll von alten Büchern befand, die mir eine Freundin vor einer Woche weitergeschenkt hatte, und war entsetzt, was der Autor von seinen Schuljahren im Internat der „Neuländer“ berichtet. Zwei Männer und eine Frau waren es, die sich als Muster „Schwarzer Pädagogik“ hervortaten, während die übrigen blind waren oder wegsahen. Er schreibt von einem: „Das Wissen um die Eigenheiten eines Menschen diente ihm lediglich zur Vervollkommnung seiner Terrormethoden. Er war ein Sadist. Das war sein Gewerbe. Wenn er strafte, ging es nie um Erziehung, sondern um Macht und Genuß an der Macht. Er hätte uns nie moralisch abqualifiziert, Moral war nicht sein Metier, es genügte ihm, unser Folterknecht zu sein. Aus uns bessere Menschen zu machen, war niemals sein Ziel. Im Gegenteil. Wirklich brave, folgsame Zöglinge, die nichts anstellten, keine Angriffsfläche boten, die wären ihm gar nicht recht gewesen. Da hätte er sich nicht ausleben können. Seine Erziehungsmaßnahmen hatten vielmehr das Ziel, uns zu neurotisieren, anfälliger und empfindlicher zu machen, damit uns seine Quälereien umso genauer trafen, wodurch er noch mehr Spaß hatte.“ (Seite 167 f.) Aber auch bei mir tauchten Erinnerungen auf: Im Sommer 1955 (in den Ferien zwischen erster und zweiter Klasse Mittelschule, wie die AHS damals hieß) musste – „durfte“ – ich einen Monat „zur Erholung“ in ein Ferienheim der Kinderfreunde am Attersee und habe dort ebenso miterlebt, wie andere Kinder die zweimal die Woche servierten Paradeissuppen und -soßen erbrachen und das Erbrochene wieder aufschlecken mussten. (Damals war nicht bekannt, dass manche Menschen den Farbstoff in rotem Gemüse oder Obst nicht vertragen – aber das ist keinesfalls eine Entschuldigung.) […]

hier weiterlesen >>>

Im Fachblatt Nature Human Behavior wurde eine Studie vorgestellt, berichtet orf online (https://www.orf.at/#/stories/3148469/), wonach Versuchspersonen die selben Personen „auf den ersten Blick“ auf Fotos besser bewerteten, je nachdem, ob ihre Kleidung auf Armut oder Reichtum schließen ließ.

Leider wurde in dieser Meldung nicht erwähnt, ob bzw. wie die Geschlechterdifferenz zum Tragen kam – denn ich will doch annehmen, dass sowohl die Testpersonen wie auch die Menschen auf den Fotografien nicht nur einem Geschlecht zugehörten. Denn so wie eine inhaltlich gleich lautende Fachaussage von Männer meist anerkennend beantwortet, bei Frauen jedoch oft gar nicht zur Kenntnis genommen wird, wird ein Mann in lässiger Kleidung nicht unbedingt als „Leichtgewicht“ eingestuft, eine Frau aber schon (außer es handelt sich um Frauen deren gesellschaftlichen Status man kennt – man denke nur an Queen Elizabeth II in Gummistiefeln und Kopftuch!) […]

hier weiterlesen >>>