Es wären vor allem die Älteren in ländlichen Umgebungen Englands gewesen, die für den Austritt Großbritanniens aus der EU gestimmt hätten, meldeten die Zeitungen nach dem „Sieg“ der EU-Gegner nach der Volksabstimmung. Junge, Städtische und Gebildete hingegen hätten für den Verbleib gevoted.

Das wundert mich nicht …

Nach dem Mord an der britischen Labour-Abgeordneten und Brexit-Gegnerin Joanne Cox wird gerätselt, ob der „Britannien zuerst!“- Ruf des Mörders drauf schließen lässt, dass dieser ein Werkzeug der gleichnamigen Politgruppe sei. Fanatiker hat es immer schon gegeben – und manche hielten sich für ein auserwähltes Werkzeug Gottes, was auch immer sie unter Gott verstanden haben mögen. Vielleicht nur ihren inneren Zwang.

So berichtete auch der Bruder des verhafteten Mörders von dessen langwährenden psychischen Problemen. Dennoch erkennen wir bei diesen Überlegungen das Denkmuster, eine einzige Ursache für solch eine Untat zu suchen, zumindest aber Auslöser in der Vergangenheit. Würden wir diese erkennen, so wähnen wir, könnten wir uns schützen.

Aber das können wir nicht. Leider.

Der amerikanische Historiker Franklin L. Ford schreibt in seinem Buch „Der politische Mord“ (1985): „Die häufige Feststellung, dass ,des einen Terrorist des anderen Freiheitskämpfer ist‘ “  – sie bezieht sich auf ein Bonmot von Blaise Pascal (1623–1662) – „ist insofern nichtssagend, als praktisch alle Exponenten der politischen Gewalt ihre Bewunderer haben. Sie ist jedoch geradezu irreführend, wenn damit gemeint ist, dass alle Terroristen gleich sind  und dass ein Unterschied zwischen ihnen nur in den Augen des Beobachters existiert. Wie unbegründet eine solche Behauptung ist, zeigt der Unterschied zwischen den militanten Aktivisten, die nach dem altbekannten Trommelschlag des Patriotismus marschieren und denjenigen, deren Hauptangriffsziel die eigene Regierung und die Gesellschaft ist, die sie repräsentiert.“

Aus tiefenpsychologischer Sicht zeigt sich immer die Projektion von Hassgefühlen auf eine Vater- oder Mutterfigur, die für das eigene Elend verantwortlich gemacht wird und die Phantasie, man müsse die Gesellschaft von gefährlichen Tyrannen oder auch nur Verführern reinigen. Je attraktiver und begeisternder Politiker wirken, desto eher eigenen sie sich für solche Zuschreibungen – besonders wenn sie Frauen sind.

Was uns zu bedenken geben sollte, ist die Sichtweise – es gibt auch viele andere – dass immer mehr Menschen, wenn ihre Phantasie von heiler Welt gestört, zerstört erscheint, selbst zu Zerstörern werden. Ich denke, hier fehlt Dialog, was auch bedeutet, von Person zu Person Aufmerksamkeits- und Wertschätzungsenergie zu spenden und beizustehen, die Realität einerseits auszuhalten, andererseits mit prosozialen Mitteln zu verändern.

Die körperlichen Effekte des Sprechens überschreiten die Absichten des Sprechers, betont die amerikanische Philosophin und Philologin Judith Butler in ihrem Buch „Hass spricht“ (aus 1997!), und sie würden die Frage nach dem Sprechakt selbst als einer Verbindung von körperlichen und psychischen Kräften aufwerfen. Sie zitiert auch Pierre Bourdieu, wonach Normen den Habitus des Körpers stilisieren und kultivieren – den kulturellen Stil seiner Gestik und seines Verhaltens.

Jeder Dirigent kennt seine energetische Körpermacht, Kraft zu lenken (deswegen waren ja auch Frauen so lange vom Dirigat ausgeschlossen – sie könnten zu viel „Magie“ des stummen Führens mitbekommen) und die Wirkung von Schauspieler_innen (oder auch Lehrer_innen, Pfarrer_innen und Politiker_innen) hängt auch davon ab, ob sie „über die Rampe“ – oder über den Bildschirm –  „rüber kommen“. Wer das kann, löst Begeisterung, Gefolgschaft oder aber Angst und Abwehr aus.

Eine Form, diese Angst abzuwehren, besteht darin, selbst aggressiv zu reagieren. Das wird vor allem den traditionell „friedfertigen Frauen“ anempfohlen: Lass‘ dir nichts gefallen! Sag Nein! Setz‘ eine Grenze!

Was dabei vergessen wird, ist, dass manfrau damit in einen Kampf eintritt – denn echte und daher wohltrainierte Kämpfer genießen Sparringssituationen. Sie sind sie gewohnt und ihres Sieges sicher. „Das Lachen der Täter“ nannte Klaus Theweleit sein Buch über Breivik u. a. – und sie lachen auch wirklich.

Das Fatale besteht nämlich darin, dass man mithilft, ein Klima des Hasses zu verstärken.

Das steht im Gegensatz zu der vielfachen sozialtherapeutischen Erfahrung, dass homoöpathische Heilversuche scheitern – allopathische aber nützen. Man muss Rohheit mit „Kultiviertheit in Stärke“ begegnen, und Hass mit Interesse für dessen Wurzeln.

Deswegen widerspreche ich Hans Rauscher, der heute im Standard über die von ihm „diagnostizierte“ Hasskrankheit schreibt: „… dass es dringend einer Gegenstrategie bedarf …“ – soweit stimme ich noch zu. „Diese muss einerseits vom Staat, vor allem von der Justiz kommen.“ Nicht nur, meine ich – es gibt noch andere „ staatliche Gewalten“! Und dann schreibt er: „Zugleich muss die Zivivilgesellschaft, die es ja gibt, ihre Kräfte bündeln, direkt in den sozialen Medien kontern und den Freaks nicht mehr die Hegemonie lassen.“ Das ist Kampfsprache – und so schafft man nicht Respekt und Frieden, und außerdem ist es eine Beschimpfung der Unbekannten, die ihren Unmut in unzivilisierter Form „erbrechen“.

Wenn ich gelegentlich auch online angepöbelt werde, pflege ich meinen aufsteigenden Kampfgeist zu zügeln und versuche, die Grobheiten zu filtern und in eine sozial erträgliche Form zu dolmetschen und auf diese antworte ich dann. Ich habe noch immer erstaunte und höfliche Reaktionen zurück bekommen.

Für mich ist das Friedfertigkeit – eine Fertigkeit, die man erlernen kann.

Es gibt Phänomene, die hält man in Zeiten der political correctness für längst  verschwunden, „No go“ sozusagen.

Dazu gehören verächtliche Bezeichnungen für Menschen, die den von den dominanten Gesellschaftsschichten missachteten Minderheiten zugehörten – schwarze Sklaven in Amerika, nichtsesshafte Roma und Sinti in Europa. Dazu zählen aber auch gleichgeschlechtlich orientierte Menschen; die wehrten sich in der gay-pride-Bewegung gegen diskriminierende Bezeichnungen dadurch, dass sie diese einfach mit umgekehrt selbstbewusster Betonung verwendeten: „Ich bin schwul und das ist gut so!“ Ebenso suchten Menschen mit Handicaps nach neuen Worten; ich erinnere mich noch, wie der Diplomsozialarbeiter Manfred Srb – in den 1980er Jahren mein Kollege im Verein Jugendzentren der Stadt Wien und später Nationalratsabgeordneter der Grünen – hinten auf seinem Rollstuhl ein Transparent „Ich bin behindert“ angebracht hatte, wobei „bin“ durchgestrichen und durch „werde“ überschrieben worden war.

Ich meine: Es sind nicht nur die Betroffenen selbst, die sich gegen Abwertungen wehren müssen – wir alle, die wir Zeug_innen solcher verbaler Gewalt werden, sind aufgerufen, Beistand zu leisten bzw. aufzuklären, dass es beispielsweise korrekter ist, von Asylwerbenden zu sprechen statt von Asylanten oder Haftinsassen statt Häftlingen oder dass Emanze ein Schimpfwort ist – für Frauen, die ihr Leben selbst bestimmen wollen.

In der österreichischen Bundesverfassung wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass alle Bundesbürger (!) vor dem Gesetz gleich sind und Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses ausgeschlossen sowie behinderte und nichtbehinderte Menschen gleichgestellt sind. Vor dem Gesetz (begründete Ausnahmen sind zulässig) – aber nicht im Denken und Reden. Da zeigen sich die alten Parolen, mit denen unliebsame Störenfriede – dazu gehören all die, die gleichen Respekt einfordern und sich nicht mit bloßer Duldung ihrer Existenz begnügen wollen – eingeschüchtert werden sollen.

In meiner Schulzeit in den 1950er Jahren am „humanistischen“ Gymnasium in Wr. Neustadt gab es einen einzigen evangelischen Christen in unserer Klasse. Er wurde immer wieder als Ketzer „geneckt“. Lustig war das nicht. Möglicherweise motivierte ihn das, später selbst AHS-Professor und Direktor zu werden. Bei mir selbst trauten sich die Professoren derartigen Spott nicht, obwohl ich immer vom Religionsunterricht abgemeldet war, vermutlich weil ich als einziges Mädchen in der „Bubenschule“ (Koedukation gab es damals noch nicht!) ohnedies die totale Herausforderung für ihre Toleranz bedeutete.

O tempora o mores?

Mitnichten. Beim Europa Forum Wachau am vergangenen Wochenende wurde ich – 71jährige und neuerdings evangelische Hochschulpfarrerin – von einem vermutlich 10 Jahre jüngeren hochrangigen Juristen der Wirtschaftskammer Österreich – vermutlich „scherzhaft“ gemeint – als Ketzerin angesprochen. Ich war über diese Beleidigung so verblüfft das ich nur ein „Nicht mehr!“ herausbrachte: Es sollte nicht mehr nötig sein, Menschen anderen Glaubens „neckisch“ zu diskriminieren – noch dazu bei einem Symposium, wo es um „Einigungen“ ging.

Beim heutigen Europa Forum Wachau im Stift Göttweig wurde darüber diskutiert, ob und wie „Regionen“ in Krisensituationen bei Krisenbewältigungen hilfreich sein könnten, und flugs entstand eine Diskussion darüber, ob man „Länder“ wie in Österreich als „dritte Ebene der Verwaltung“ brauche oder vielleicht doch mit nur zwei – Kommunalverwaltungen und einer einzigen Zentralverwaltung – auskommen könne. Nur Österreich, Deutschland und Belgien hätten „Bundesländer“ – alle anderen EU-Staaten nicht …

Das ist ein klarer „linearer“ Blickwinkel, den kenne ich als Juristin zur Genüge: Er fördert klare Zuständigkeiten, Weisungs- und Sanktionsrechte und damit Hierarchien. Als u. a. auch systemisch ausgebildete Psychoanalytikerin bin ich hingegen auch einen „komplexen“ d. h. mehrperspektivischen Blickwinkel gewohnt: Damit denkt man nicht „von A zu B“ und umgekehrt, sondern schaut gleichsam von oben auf die Gegebenheiten wie auf ein Tortendiagramm und analysiert die einzelnen Segmente danach, welche Interessenslagen in ihnen zum Ausdruck kommen und wie sich gegenseitig beeinflussen.

Dabei stellt sich die Frage, wer Interesse daran hat, dass nicht komplex sondern linear gedacht wird …

Und die Antwort lautet: Die Person oder Gruppe, die ungleichgewichtige wie z. B. hierarchische Macht ausüben will – z. B. mit Mehrheitsquoten (oder anderen Zahlen wie Messungen, Limits etc.). Andernfalls würde sich alternativ eine sternförmig egalitäre Entscheidungsstruktur aufdrängen – wie im altgermanischen Thing oder in der Großgruppenmediation.

Es sind aber immer noch Menschen, die Strukturentscheidungen treffen – und wie diese aussehen, können wir täglich den Medien entnehmen (die dann noch mit übertreibenden Kampfworten und -sätzen aus unterschiedlichen Positionen „Streit“ und „Duell“ konstruieren). Nun ist aber alles, was wir „praktizieren“, erlernt – d. h. neuronal verankert. Wo wir keine Wahrnehmungsneurone entwickelt haben, findet Wahrnehmung nur rudimentär und ungedeutet statt, und wo wir keine Handlungsnervenzellen erworben haben, erweist sich unsere spezifische Problemlösungskompetenz unterentwickelt. Lernen braucht Vorbilder, Übung und Erfolgserlebnisse. In der Politik lernt man üblicherweise „on the job“ nur das, was die Vorgeneration vorlebt – und noch dazu im „eigenen System“ (Kommune, Kammer, Ressort etc.), und verhandelt dann wie gewohnt wieder linear – bestens zu beobachten am Widerstand gegen Gemeindezusammenlegungen. Deswegen habe ich in meiner Zeit als Universitätsprofessorin an der Donau Universität das Masterstudium Präventionsmanagement entwickelt – weil ich neben meinen einschlägigen Berufsqualifikationen auch die praktische Erfahrung aus 15 Jahren Mandatarschaft in der Kommunalpolitik hatte und daher diese Bildungslücken kannte und schließen wollte.

Gibt es die zusätzliche dritte Ebene von Bundesländern, muss man notgedrungen komplexer denken, weil zusätzliche Konfliktpartner und -ebenen die Notwendigkeit des neuen Denkstils verdeutlichen, den man braucht, wenn man die „unendliche Geschichten“ des linearen Denkens bzw. schnelle Gewaltlösungen vermeiden will. In der Wiener Psychoanalytischen Sozialtherapie nennen wir diese Methode „verrücken“.

Nach dem norwegischen Friedensforscher Johan Galtung zeigt sich strukturelle Gewalt darin, dass eine Realität geschaffen wird, die Potenziale behindert oder schädigt. Vorenthalten von Wissen zählt ebenso dazu wie ein zunehmend einseitig fragmentiertes Bildungsangebot im schulischen Bereich (Universitäten mitgemeint).

Die Struktur von Bundesländern wahrt nicht nur Raum und Zeit für mehr Selbstbestimmung und fördert damit regionale Identität, sie wäre „bottom up“ auch das ideale Lernfeld zum Einüben einer eirenischen Europagesinnung.

Der von mir – wegen seiner vorbildlichen Art in Anwesenheit der Delinquenten voll Respekt seine Gutachten zu referieren – sehr geschätzte Gerichtspsychiater Reinhard Haller – in der Zeitung Kurier von heute zum „Kriminalexperten“ erhöht obwohl er kein Jurist ist – erklärt den Amoklauf des 27jährigen, der „nach einem Streit“ mit seiner Freundin eine Waffe aus dem Auto geholt und wild in die Besuchermenge der Nenzinger Bikerparty geschossen und zwei Menschen getötet und etliche schwer verletzt hatte, mit „Kränkung“ (dazu hat er ja auch sein jüngstes Buch verfasst) und „Ärger“. Und er verwendet den Begriff „das Abnorme“.

Ich finde diese Formulierungen in die Irre führend.

So abnorm ist blinde Wut leider nicht – das zeigen die vielen „blindwütigen“ Kindesmisshandlungen, Rachevergewaltigungen oder auch Folter als Strafe für „mangelnden Gehorsam“. Denn auch wenn Selbstbeherrschung als Norm vorgegeben wird, ist sie doch nur ein Ideal, für das Vorbilder und Anleitungen fehlen.

Aus einer interdisziplinären Sicht (die beispielsweise Anthropologie, Soziologie, Sozialgeschichte, Kriminologie, Neurobiologie, Medienforschung und Psychoanalyse umfasst) erfordern gewaltverzichtende Verhaltensweisen propagierte, eingeübte und „belobigte“ Modelle – vor allem auch in den allgegenwärtigen audiovisuellen Medien. Dort aber machen sich immer mehr Hassäußerungen als Motiv für Konfliktbewältigung und Vernichtungshandlungen breit.

Geht man auf den Beginn solch einer Wuthandlung zurück, findet man aus interdisziplinärer Sicht die Unfähigkeit, Hochstresserregung anders als durch Ausagieren zu bewältigen. Das kann man aber lernen.

Alles, was wir „können“ haben wir „erlernt“ – nämlich als Erfahrungen, Erinnerungen, Fähigkeiten, Gefühle in Nervenzellen eingespeichert und miteinander verbunden.

Dazu gehörte vor allem auch die Selbsterfahrung, wie wir uns kampfbereit machen und wie man diesen Energiezuwachs wieder „zurück speist“ (wie Elektriker sagen würden). Dieses Wissen fehlt fast allen. Und dazu noch braucht man oft einen „Beistand“, der dabei hilft. Aber auch der oder die muss das erst lernen – denn das ist etwas anderes als Streitschlichtung oder Mediation.

Deshalb fordere ich in meiner u. a. Eigenschaft als Pädagogikprofessorin schon seit gut dreißig Jahren Information über „innere“ wie „äußere“ Hochstresswahrnehmung im Biologieunterricht der Unterstufen, verbale Deeskalationstechniken (dazu gehören vor allem Auto- wie Fremdsuggestionen) im Sprachunterricht und physiologische Deeskalationstechniken in den „Leibeserziehungen“ (die leider auf „Bewegung und Sport“ umgetauft wurden und damit einseitige Ziele im Auge haben).

Nur wenn man schon im Ansatz erkennt, wann und wie sich Gewalt aufzubauen beginnt, kann man sich selbst aber auch andere zur Friedfertigkeit anleiten.

Was man dazu aber auch benötigt, sind Vorbilder und gesellschaftliche Anerkennung für vorgelebten Gewaltverzicht. Ich habe schon vor Jahren dazu ein ausgeklügeltes Konzept erstellt – vielleicht ziehen die neuen Minister_innen unsere Fernsehanstalten zur Verwirklichung heran.

In der ersten Klasse Volksschule, irgendwo in Niederösterreich, erzählt mir eine Mutter (Namen sind mir bekannt), gibt es bei ihrem Kind einen Mitschüler, der Drogen ins Schulhaus bringt und der Mitschülerschaft sagt, wenn ihre Eltern etwas brauchen sollten – sein Vater kann es besorgen.

Ein unschuldiger Nachwuchsdealer, der vermutlich brav Vaters Befehlen folgt.

Die Mutter fragt die Direktorin, was sie dagegen zu unternehmen gedenkt – aber diese scheint für solche Situationen kein Modell zu besitzen. Zumindest das Jugendamt wäre doch zu verständigen, meint die Mutter. Eigentlich schon, räumt die Direktorin ein. Auch weil der Junge von seinem Vater verdroschen wird – das wissen auch die anderen Mütter. Naja, schwierige Familienverhältnisse, seufzt die Direktorin, und: Was solle man da denn machen?

Ich sage der Mutter:

Gegen Gewalt hilft nur Öffentlichkeit – und Protest. Man muss eine Grenze setzen.

Konkret: Man muss deutlich aussprechen, dass man das, was konkret geschehen ist, nicht in Ordnung findet – und dass man will, dass das aufhört.

„Deutlich“ heißt nicht, dass man wütend oder drohend, verächtlich oder ausgrenzend reagieren soll, ganz im Gegenteil, man muss ruhig und wertschätzend sprechen. Man kritisiert ja nicht die Person an sich (deren konkreten Lebensweg man ja nicht kennt), sondern deren Verhalten. Das gilt auch für deren Nachwuchs.

Allein mit diesem Aussprechen setzt man ja bereits eine Grenze zwischen „dir und mir“ – man distanziert sich dadurch, dass man das Verhalten des Anderen nicht billigt. Solange man schweigt, gilt der altrömische Rechtsgrundsatz „qui tacet consentire videtur“ – „Wer schweigt, scheint zuzustimmen“.

Die meisten Menschen, so meine multidisziplinäre Erfahrung aus nunmehr 50 Berufsjahren, schweigen deshalb, weil sie Angst haben sich zu blamieren.

Eine Blamage ist, wenn man Racheakten ausgesetzt ist, wenn man Gerichtsverfahren, mit denen sich der Beschuldigte wehren will, durchstehen muss oder gar verliert – „Hättest es halt bleiben lassen sollen …“ – und wenn alle im Umfeld von einem abrücken, weil man der erste ist, der Missstände zur Sprache bringt – und das vor allem dann, wenn dieser man eine Frau ist. Dann heißt es oft: „Hätte das nicht ihr Mann machen können?“ Hätte er – aber dann rutscht die Kritik oft auf eine Kampfebene, auf der man(n) Sieger sein will. Frauen ist dieses Ergebnis meist nicht wichtig. Sie wollen friedliche Lösungen.

Frieden ist eine Lebensform, die immer wieder mit Unfrieden und Unzufriedenheit abwechselt.

Frauen neigen bekannterweise dazu, unzufrieden zu sein, was bedeutete, dass sie Umstände wie auch Menschen verbessern wollen.

Es gibt Witze – auch eine Form von subtiler Gewalt – und Märchen, in denen dieser Drang nach Verbesserung verspottet wird. In der Sprache der Psychoanalyse nennt man solche Reaktionen „Abwehr“ – man will nicht wahrhaben, dass Verbesserungsbedarf besteht, daher soll und darf Mangel und Makel nicht angesprochen werden.

Ich weiß aus meinen vielen Supervisionen mit Landessozialarbeiter_innen, wie diese darum ringen, möglichst friedliche Lösungsansätze für solche Problemfälle zu finden: Sie sollen ja selbst Vorbild für eine andere Form von Problemlösung bieten als gewalttätige, die zumindest die Kinder in ihrer Liebe zu den Eltern schädigen würden – und Liebe fragt nicht nach Mangel und Makel, ganz im Gegenteil, sie spürt die Schwächen und liebt daraufhin eher mehr.

Ich propagiere für solche Fälle das, was ich Mesoziation – meine Weiterentwicklung von Mediation – nenne und wofür ich in meiner Zeit als Universitätsprofessorin an der Donau Universität sogar ein Masterstudium „Präventionsmanagement“ entwickelt habe: Durch gezielte Anleitung die Menschen aus dem Nahumfeld in die Lage zu versetzen, gemeinsam Umgangsformen gegen Gewalt zu entwickeln. In anderen  Ländern – und gar nicht so friedlichen wie in Österreich – haben sich Mütter gemeinsam gegen Gewalt organisiert und haben öffentlich dagegen demonstriert. Wir haben noch viel zu lernen.

Bildungsangebote dazu gibt es ab Juli auf hier auf der Webseite …

Eine Journalistin hat mich zu den aktuell zugenommenen massiven sexuellen Übergriffen auf Frauen befragt – und mich dahingehend korrekt zitiert, dass ich Intuition als ein wesentliches Präventionsinstrument weiß – und hat sofort einen empörten – vermutlich deshalb auch wortverdrehenden – Leserinnenbrief mit „Warum sollen wir unsere Freiheiten einschränken?“ bekommen.

Das wurde in dem Artikel auch nicht gefordert – sondern nur, Gefahren wahrzunehmen.

Aber offensichtlich war die Schreiberin „blind“ vor Wut – und hat frei nach Paul Watzlawicks Hinweis, dass es außerhalb der Macht des „Senders“ liegt, wie der „Empfänger“ einer Botschaft  diese interpretiert, Aussagen hineinfantasiert, die nicht drin standen.

Was ich nun aber gerne aufgreifen will, ist der deutliche Wissensmangel der Schreiberin – und wahrscheinlich vieler Menschen – weswegen Intuition keine esoterische Traumtänzerei ist sondern eine wissenschaftlich nachgewiesene und nachweisbare Wahrnehmungsform, die aber leider von vielen Menschen weder genutzt noch trainiert wird.

Schon der Psychiater C. G. Jung (1875–1961) hat Intuition als gleichberechtigte Bewusstseinsform neben das körperliche Empfinden, emotionale Fühlen und kognitive Denken gestellt. Der derzeit führende Psychiater und Neurobiologe Joachim Bauer von der Universität Freiburg wird nicht müde, in seinen Büchern zu erklären, wie die sogenannten Spiegelnervenzellen erkennen helfen, was eine andere Person fühlt bzw. im Schilde führt – außer man wehrt diese Wahrnehmungen ab, beispielsweise aus Höflichkeit. Denn man muss diese Fähigkeit genauso üben, wie jedes andere Potenzial.

Der amerikanische Sicherheitsberater Gavin de Becker hat seine Erfahrungen mit Verbrechensopfern in einer generellen zeitlichen Struktur zusammen gefasst und damit nachgewiesen, dass die Überlebenden schon sehr frühzeitig „geahnt“ hatten, dass „etwas nicht stimmt“ sprich Gefahr im Anzug ist – aber aus falsch verstandenem Taktgefühl, Kooperationsbereitschaft oder auch nur Mangel an Selbstvertrauen, d. h. der eigenen Wahrnehmung zu trauen! – den späteren Tätern weitgehendsten Handlungsraum ließen. Leider ist sein an Beispielen reiches Buch Mut zur Angst („The Gift of Fear“) auf Deutsch vergriffen, deswegen habe ich es auch teilweise in meinem Buch Mut – das ultimative Lebensgefühl zitiert.

Auf die Frage, was Intuition denn sei, antworte ich oft mit Hinweisen auf den „Volksmund“: „Eine Nase haben“ bedeutet, unbewusst auf diffizile Duftmarken wie die Neurotransmitterausschüttungen anderer Personen zu reagieren (weshalb beispielsweise hochsensible Personen gerne in Distanz bleiben), was wir bei Hunden ganz normal finden … oder „das Gras wachsen hören“, was auch darin besteht, unbewusst zu registrieren, wie sich die Atmung bei jemand anderem verändert. Diese Aufmerksamkeit kann man trainieren – man muss sich nur sehr entspannen und diese Sinneskanäle bewusst öffnen. Und dann darf man sich nicht von den verbalen Gewalttäter_innen einschüchtern lassen, die wollen, dass man nicht merkt, was sie mit einem/einer machen (wollen). Daher weise ich meine Klient_innen wie auch Student_innen an der Uni immer wieder darauf hin:

Wenn jemand fragt „Misstraust du mir etwa?“, darf die Antwort durchaus „Ja!“ lauten! Wir haben ein Recht auf Misstrauen – das gehört zur Realitätssicht.

Dennoch darf Verweis auf Intuition als Selbstschutzkriterium nicht dazu führen, andere Schutzvorkehrungen zu unterlassen. So ist Intuition seit Mitte der 1990er Jahre ein Forschungsgegenstand der Krankenpflege: Weshalb geht die eine Pflegeperson ohne optisches oder akustisches Signal spontan genau dann in ein Krankenzimmer, wenn dort etwas passiert – und eine andere nicht? Was unterscheidet deren Wahrnehmungen? Meine Antwort:

Die eigenen Fantasien ernst nehmen – und nicht in falschem Sicherheitswahn als „Spinnerei“ abtun.

Wir „spinnen“ nämlich immer – an dem Geflecht unserer Wahrnehmungs- und Handlungs-Nervenzellen im Gehirn, und je dichter diese Verschaltungen sind, desto intelligenter sind wir.

Drei jugendliche afghanische Asylwerber haben eine türkische Austauschstudentin nächtens auf der Damentoilette am großen Wiener Verkehrsknotenpunkt Praterstern brutal vergewaltigt – und in den Zeitungen wurde die Frage erhoben, wieso die Burschen um diese Zeit unterwegs sein durften und nicht, wie vielfach verpflichtend vorgeschrieben, in ihren Unterkünften waren. Weiters wurde die Polizei kritisiert, die trotz angeblicher hoher Präsenz an diesem bekannten Gefahrenort erst auf die Hilferufe der Begleiterin der Studentin, die diese verletzt am Boden liegend vorgefunden hatte, aktiv geworden sei … Wer allerdings das Areal des Bahnhofs kennt, weiß, dass damit Unmögliches eingemahnt wird: Man müsste vor jede WC-Anlage einen Security stellen, und auch der kann attackiert, verletzt, überwältigt werden, wie die Erfahrungen von Nachtlokalen immer wieder zeigen.

Was allerdings nicht kritisiert wurde, ist die Tatsache, dass die junge Frau die Toilettentür nicht von innen versperren konnte, weil sie kein Kleingeld bei sich hatte.

Genau das sehe ich aber als Problem: Während Männer ihre Notdurft immer und überall verrichten, egal wer ihnen zusieht, egal welche Örtlichkeiten sie verstinken (und es bei uns noch keine „rück-pinkelnden“ Hauswände gibt wie im Hamburger Rotlichtviertel), daher kein Kleingeld bei sich tragen müssen, bedeutet es für Frauen Pein und Scham, ein stilles Örtchen suchen zu müssen und oft nicht zu finden – ich denke da an unendlich lange Autobahnabschnitte ohne Zugang zu einem bergenden Wald. Aber auch der birgt nicht nur diejenigen vor unerwünschten Blicken, die sich niederkauern, sondern auch mögliche Angreifer. Immer wieder kommt es nämlich auch bei Volksfesten zu Vergewaltigungen, wenn Frauen sich in die Büsche schlagen müssen, weil die Schlange vor der einzigen Damentoilette zu lang ist, um dem Druck auf die Blase zu widerstehen, und ihnen „listige“, nämlich gemeine Kerle folgen.

Dass Frauen beim Miktieren hocken, wird oft verspottet oder zumindest als Zeichen ihrer Schwäche und Ursache mangelnden Selbstbewusstseins ausgelegt. Das sagte zumindest mein Vorredner bei einem Urologenkongress, ein Psychiater, aber ich konterte ihm mit der Erinnerung, dass Frauen auf den traditionellen italienischen Klos auf zwei Fußtellern stünden und es auch „stolz“ von oben herab strömen ließen, wie unsere Großmütter, die noch lange Röcke und keine Unterhosen – und keine Jeans etc. – trugen und sich breitbeinig auf die Wiese stellten (Kindheitserinnerung eines davon sehr beeindruckten Klienten). In Kleidern und Röcken sind Frauen gefährdeter, aber in Slacks reichen die Zippverschlüsse nicht so weit, wie nötig … jedoch das könnte man ändern: So sah ich bei einem schwulen Freund einmal einen Rundum-Zipp … aber auch das kann leicht als Einladung für jedermann missverstanden werden. Gegen sexuelle oder nur sadistische Phantasien anderer ist man machtlos.

Wie also Prävention betreiben?

In jedem Mann einen Verbrecher sehen? Denn Vergewaltigung ist ein Kapitalverbrechen, es zerstört die psychosexuelle Gesundheit, die Selbstachtung und das Vertrauen ins Leben und dient nur dazu, Frauen ohnmächtig zu machen und zu halten. Frauen im Nahkampf ausbilden? Oder doch die Geldautomaten bei öffentlichen Toiletten abschaffen? (Es werden auch Männer und Knaben vergewaltigt!) Oder einen alten Beruf neu schaffen: WC-Security? Samt Erster-Hilfe-Ausbildung und Funkverbindungen.

Die Wiener Frauenstadträtin sollte nachdenken lassen …

Man müsse Böhmermann in Aktion erlebt haben, dann wäre wohl klar, dass seine Erdogan-Schmähungen bloßer „Schmäh“ wären, sagte mir eine Freundin, und da ich nur das in der letzthin zitierten Boulevard-Zeitung kenne, wäre meine Kritik übertrieben – sehr wohl kritisieren müsse man aber den „Kniefall“ von Kanzlerin Merkel am gewünschten Helfer gegen den Flüchtlingsstrom.

Es stimmt schon: mit Hilfe von Mimik, Gestik und Tonfall kann man Botschaften eine ganz andere Bedeutung geben – dem stimme ich zu. Und dennoch: wann immer ich Worte aneinanderreihe, muss ich damit rechnen, dass sie auf Papier „materialisiert“ werden, quasi versteinert, und damit ihre Lebendigkeit – und damit ihre Veränderbarkeit – verlieren: dann kommt das unterschwellige Ziel der Botschaft klar zum Vorschein.

Satire, lese ich schnell in Wikipedia nach, ist eine Kunstform, mit der Personen, Ereignisse oder Zustände kritisiert, verspottet oder angeprangert werden. Stilmittel dazu sei Parodie, Travestie oder Persiflage, als Tonfall wird Ironie, Spott und Sarkasmus, aber auch Pathos genannt. Von alledem fand ich in dem Text nichts, und genau das hätte ich mir von „Satire“ erwartet: dass das Denken der Person, die von ihr zu verantwortenden Ereignisse und Zustände kritisiert und angeprangert werden, Spott allerdings passt so ganz und gar nicht, finde ich, wenn so gravierende Menschenrechtsverletzungen passieren wie durch fundamentalistische Regimes und ihre Führungskräfte.

Das, was ich in dem Böhmermann-„Gedicht“ orte, zeigt sich, wohlwollend bewertet, als ulkige Blödelei, aber keine Satire. Abgedruckt wächst sie sich zum Freibrief aus: zum „Das alles darf man“. Und da widerspreche ich: man darf nicht alles dürfen dürfen – sonst wird und bleibt man unbedarft (das sind jetzt „Wortspielereien“), was bedeutet, leicht in die Irre zu führen.

Nach österreichischem Recht haben der „üblen Nachrede“ Beschuldigte die Möglichkeit, den Wahrheitsbeweis anzutreten. Den hatte ich angeboten, als ich 1991 von Ernest Borneman geklagt wurde, weil ich seine Fehlinterpretationen meiner wissenschaftlichen Expertisen zur sexuellen Ausbeutung von Kindern in einem Interview auf mögliche altersbedingte Lesefehler zurückgeführt und dabei das Wort „senil“ gebraucht hatte. Es war nicht meine Absicht, den alten Mann zu beleidigen – ich wollte auf Befragen hin eine Erklärung anbieten, weshalb er Zitate, die ich als solche ausgewiesen hatte, als meine Meinung verdammt hatte. Peter Huemer sagte mir damals: Er bastelt sich einen Popanz, damit er auf ihn hinhauen kann. Ich wurde in allen Instanzen freigesprochen – der Richter hielt mir politische, weil auf Sensibilisierung der Bevölkerung gerichtete und auch wissenschaftlich fundierte Aktion zugute.

Diese Reglung finde ich richtig: sie zwingt zu Ernsthaftigkeit, wenn man etwas kritisieren will – und auch zu ernsthafter Kunst, wie sie Johann Nestroy oder Karl Kraus praktizierten oder die vielen mutigen, todesmutigen Kabarettisten in den 1930er Jahren. Aber nur blödeln ist noch lange keine Kunst.

Die Zeitung ÖSTERREICH hat heute das inkriminierte Böhmermann-Gedicht abgedruckt. Ich war entsetzt.

Zwar hatte ich in den Zeitungen der letzten Woche gelesen, dass der türkische Staatspräsident Erdogan von Deutschland die strafrechtliche Verfolgung dieses „Satirikers“ verlange und nunmehr die Freiheit der Kunst diskutiert werde … und war da natürlich klarerweise für Meinungsfreiheit und Schutz von Künstlern. Nun kenne ich den Text – nur von Kunst merke ich nichts – außer im äußersten Wohlwollen vielleicht, dass der Text gereimt ist.

Keiner von uns Durchschnittsbürgern im Vollbesitz der geistigen Kräfte (dabei denke ich an Cordulas geistig zurückgebliebenen Verehrer in Anton Wildgans „Kirbisch“, der zu allem Spott lacht!) ließe sich solche zotigen Unterstellungen zahlloser Sexualdelikte wehrlos gefallen. Das ist weder lustig noch ein politischer Protest, das ist möglicherweise als provokative Werbung zum Berühmtwerden beabsichtigt. Denn vor diesem Eklat hatte ich z. B. noch nie etwas von Jan Böhmermann registriert.

Wer erinnert sich noch den legendären Kopfstoß von Zinédine Zidane, der Frankreich 2006 den WM-Titel kostete? Materazzi hatte dessen weibliche Verwandte beschimpft – aber auch bei uns höre ich immer wieder ähnliche Beschwerden, etwa dass türkischstämmige Jugendliche die Mütter ihrer Schulkameraden als „Huren“ beschimpfen – aber ist es wirklich hilfreich, Gleiches mit Gleichem zu vergelten? Dass so etwas im Affekt passiert ist wohl verständlich – aber wohlgeplant und ausgetüftelt wie ein Gedicht? Und noch dazu gegen jemand, dessen Kenntnis man bestenfalls aus dritter Hand bezieht.

Es sind nämlich schon auch manche Medienmacher, die um des „Sagers“ willen Worte und Sätze veröffentlichen, die sie selbst – über die finanziellen Folgen von Medieninhaltsdelikten für ihren Arbeitgeber gut informiert – vermutlich nie publizieren würden. Dass sich manche freuen, wenn jemand anderer für sie in den Krieg zieht, kenne ich nicht nur von meiner Klientel sondern auch von mir selbst … aber dann versuche ich auf solche „Gags“ zu verzichten – beispielsweise Irmgard Griss wegen ihres eingefrorenen Dauerlächelns auf Grins umzutaufen. Das wäre nicht korrekt – und auch nicht witzig.

Immer wieder sei daran erinnert (wie schon Sigmund Freud in „Der Witz“ schrieb): Es gibt tendenzfreie, d. h. albern-lustige,  und tendenziöse, d. h. aggressiv-zotige Witze. Bei beiden ist aber eine art geistiger „Rösselsprung“ enthalten, der verblüfft, weil er einen Wahrheitskern entblößt oder übertreibt. Bei Böhmermanns Gedicht trifft weder das eine noch das andere zu. Es ist einfach letztklassig.

Wenn man einen Staatschef so gezielt verächtlich machen will, trifft man auch alle Staatsangehörigen, die diesen wertschätzen. Sind das geeignete Integrationsangebote? Ich bin sehr für politischen Protest gegen  Menschenrechtsverletzungen – aber Menschenrechte wie das auf Unversehrtheit der Person, dazu zählt auch die seelische! gelten für uns alle, vor allem in Erinnerung an die verbalen Mordversuche des Dritten Reichs.

Wenn daher DER STANDARD am 13. April unter „Leserstimmen“ folgenden Satz von Irene Berger, Linz (!), abdruckt: „Pröll ist nach Haider der windigste Politiker der Nachkriegszeit Österreich, leider fehlt es den Funktionären an Courage diesen machtgeilen Betonierer einfach zu ignorieren bzw. in das überfällige Abseits zu stellen“, dann finde ich als Niederösterreicherin, die mit vielen Landeshauptleuten und Minister_innen fachlich zusammen gearbeitet hat und daher über intensive Vergleichsmöglichkeiten verfügt, diese Zuschreibungen nicht nur extrem unwahr, sondern wiederum als Zeichen, wieviel Mist sich in den Seelen vieler Menschen angesammelt hat, den sie ohne nachzudenken loslassen. Meine Kritik trifft daher nicht die vermutlich uninformierte Oberösterreicherin sondern die Journalist_innen, die diesen Negativvorbildern an Verhetzung Raum geben. Manche tüchtigen Politiker_innen verlassen nämlich ihre Funktionen deshalb, weil sie oder ihre Kinder Morddrohungen erhalten – aber das gehört auch nicht in die Medien, sonst entstehen nur wieder neue Vorbilder.

Das Wort Ausgrenzung hat einen verpönten Beigeschmack – es ist zu oft politisch missbraucht worden: Einerseits nütz(t)en es die sogenannten Rechtspopulisten …

Ein 5jähriger Bub habe eine Gleichaltrige im Kindergarten sexuell belästigt, teilt mir ein Journalist am Telefon mit und fragt, wie man mit “so etwas” umgehen sollen. Zuerst einmal klären, was konkret vorgefallen sei, sage ich, denn sonst bleibe es der individuelle Phantasie überlassen, was manfrau sich darunter vorstelle. Er habe ihr einen Legostein in den […]

“FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache forderte via Facebook ein radikales Vorgehen gegen ,radikale Islamisten’ ”, lese ich heute im Kurier, „,Räuchert die ,Islamisten-Nester aus’, ermunterte er seine zahlreichen Internetfreunde.” Das hat mich schockiert. Lese ich doch gerade das Buch “Selbststeuerung – Die Wiederentdeckung des freien Willens” des Freiburger Neurobiologieprofessors Joachim Bauer. Darin schreibt der renommierte Arzt und […]

Wenn ein Nichtarzt wagt, öffentlich medizinische Diagnosen zu stellen, reagiert die Ärztekammer üblicherweise mit Anzeigen wegen Verletzung des Ärztegesetzes. Nun hat ein dazu nicht lizensierter Arzt gewagt, eine psychotherapeutische Diagnose zu stellen – und es bleibt zu befürchten, dass ihm diese Kompetenz nicht abgesprochen wird. Ich will das hiermit tun! Als Tiefenpsychologin kläre ich auf: […]