Kann man eine Krise – beispielsweise die Klimakrise – bewältigen, ohne zu verzichten, lautet derzeit eine aktuelle politische Streitfrage (Kurz: Klimakrise ohne Verzicht zu bewältigen – news.ORF.at).

Das Wort „verzichten“ ist eines von denjenigen Begriffen, die üblicherweise sofort heftige Emotionen auslösen – bei den Menschen, die in ihrer Biographie Episoden besitzen, in denen ihnen etwas weggenommen wurde und die mit verstärktem Festhalten (bzw. zumindest mit dem Impuls dazu) reagiert haben. Es gibt aber auch andere, die in solchen Situationen loslassen und dann entweder nachfolgend protestieren (da gehört auch das Sich-beklagen dazu, und das kann chronisch werden – ein Zeichen, dass ein Trauma, wie klein es auch sein mag, noch nicht geheilt ist) oder „austrauern“ (eine Form der Heilung).

Dabei verzichten wir unentwegt – wenn man verzichten als den einen Teil einer Entscheidung ansieht, in der man nur eine Alternative verwirklichen kann. Ich verwende im Unterricht oder Training zur Verdeutlichung immer das Beispiel des Beine-übereinander-Schlagens: Es geht nur rechts über links oder links über rechts. (Auf aristotelische Diskussionen über das „tertium non datur“ lasse ich als leidenschaftliche Konstruktivistin mich dabei nicht ein, weil es mir hier nicht um mentale Logik geht, sondern um physische Biologie.) […]

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Anna Freud ist das Verdienst zuzusprechen, ausführlich aufgezeigt zu haben, wie und auf welche Weisen wir alle unbewusst „abwehren“, was unser Bewusstsein nicht wahr-nehmen will – beispielsweise, weil wir dann mit Angstgefühlen reagieren würden und dabei unsere Selbstachtung Schaden leiden würde … Sich bewusst seiner Angst zu stellen, wäre zwar der erste Schritt zur Realitätssicht, aber dazu bräuchte es Vorbilder. Aber anstatt, dass unsere Bezugspersonen der frühen Kindheit uns sagen, „Siehst du – was du gerade erlebst ist Angst, also ein Signal, dass du jetzt aufpassen und dich schützen sollst, daher überlege einmal: Wie kannst du das am besten tun?“ und dann Möglichkeiten vorstellen, durchdenken und nach Tauglichkeit bewerten, sagen sie uns, „Du brauchst keine Angst zu haben!“ und vielleicht auch „Ich bin ja da!“ – und halten uns in Abhängigkeit.

Eine der häufigsten Abwehrformen ist die Verleugnung: Man behauptet einfach, dass etwas nicht existiert, oder nicht in einer bestimmten Form, oder nur, um einem unredlichen Zweck zu dienen – beispielsweise der Angstmache […]

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Da lese ich doch im aktuellen profil 29 vom 18. Juli (Seite 26), dass ein „interdisziplinäres deutsch-österreichisches Autor*innenkollektiv“ propagiert, dass ein „starkes Immunsystem die effektivste Antwort“ auf das Corona-Virus sei. Dass Ulrike Guérot, die mir bei ihren Talkshow-Auftritten in letzter Zeit vor allem durch die  häufige Wiederholung des Hinweises, dass sie Politikwissenschafterin sei – was gegen Kompetenz in Virologie spricht – aufgefallen ist und sich inhaltlich ansichtsmäßig neben Herbert Kickl (der sich allerdings mit seinem nicht abgeschlossenen Philosophiestudium in Gesundheitsfragen doch um einiges qualifizierter ausweisen könnte) hier federführend aufscheint, wundert mich nicht – beim zumindest im Nebenfach studierten Psychologen und „Gemeinwohlökonomen“ Christian Felber schon.

„Gesunde Ernährung, viel Bewegung, Yoga, Tanz und Sport, Aktivitäten, die Freude machen und Beziehungen stärken, Kontakt mit Natur und Spiritualität“ lauten deren Stärkungs-Vorschläge – und beweisen, dass sie offenbar nicht wissen, dass in der Pandemie Menschen, deren physische wie psychische Sicherheit sich massiv verringert und krankheitswertige Depressivität ausgelöst hat, dazu keine Kraft aufbringen können.

Mich erinnert das an „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen!“ Marie-Antoinette lässt grüßen […]

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So lautet der Titel des Buches von Angela Carter (1940–1952) über die Frauengestalten bei de Sade – der „braven“ Justine, dem ewigen Vergewaltigungsopfer, und der „skrupellosen“ Juliette, für die Lust nur ist, wenn sie (wie bei Männern) das eigene Selbst stärkt: „Wenn dem Partner seine Lust gewaltsam vorenthalten wird, steigert sich die Lust am eigenen Selbst im direkten Verhältnis zur sichtbaren Unlust des Opfers.“ (S. 179)

Und wieder verteidigten sich drei der Vergewaltigung einundderselben Frau angeklagten Twens mit deren Freiwilligkeit, ihrem Mitgehen in die Wohnung und einem nachmaligen Kontaktversuch (Salzburger Nachrichten, 15.07.2021, Lokalbeilage, S. 5). Sie wurden – nicht rechtskräftig – freigesprochen. (Prozess in Salzburg – Drei Freisprüche nach Vergewaltigungsvorwurf | krone.at.)

Ich kenne dieses „nachher“ noch einmal Kontakt suchen von vielen meiner vergewaltigten Klientinnen – und ich kenne deren Verwirrung, weshalb sie das getan hätten, sie verstünden sich selbst nicht. Wenn man dann allerdings Kontakt zu den seelischen Tiefenschichten gewinnt, zeigt sich in diesem Verhalten der Versuch, Eigenmacht zurückzuholen – gleichsam die Gewalttat unbewusst durch eine eigene Willensentscheidung zu kompensieren. Psychologisch kann das für die Rückgewinnung der psychischen Balance erfolgreich sein – juristisch ist es eine Katastrophe, denn RichterInnen sind selten mit den Dynamiken des Unbewussten vertraut. Oft fangen sie mit diesem Begriff nichts an und lehnen ihn daher auch ab […]

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Zu den bekanntesten Zitaten der Friedensbewegung gehört der Slogan: „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!“ (ZITATFORSCHUNG: „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin.“ Bertolt Brecht (angeblich) (falschzitate.blogspot.com)). Ich habe ihn heute aus aktuellem Anlass verändert: „Stell dir vor, es ist Krieg in der SPÖ (oder im Parlament) – und keiner berichtet darüber!“

Heute hat der burgenländische Landeshauptmann und SPÖ-Landesvorsitzende Mag. Hans-Peter Doskozil den gegen ihn gerichteten Äußerungen der Bundesvorsitzenden Dr. Pamela Rendi-Wagner „Kindergartenniveau“ attestiert (Streit in der SPÖ: Länderchefs rufen zur Mäßigung auf | PULS 24). In meiner Studie „Bürgernähe im Zeitalter der Digitalisierung“ aus 2019 (nachlesbar unter Forschungen auf www.salutogenese.or.at) sprachen sich überwiegende Bürgermehrheiten gegen das inhaltsleere, nur personbezogene Hickhack der Parteien auf Kommunalebene aus.

Gegenüber meinen Erfahrungen aus meiner Zeit als Mandatarin einer politischen Partei (1973–1987) hat sich da einiges verändert; ich führe das darauf zurück, dass heute viele schon vom Elternhaus her streit-müde geworden sind – aber vom Kindergarten sicherlich nicht! […]

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14 Tage hat es gedauert, bis nach dem Martertod der 13jährigen Leonie „Sie hat alles freiwillig gemacht“ – das ewige Argument von Vergewaltigern aufgetaucht ist. Üblicherweise verfestigt es sich im Denken der vermutlichen Täter, sobald ihre Strafverteidiger – oder, besonders schlau konzipiert, eine gut medienvernetzte Verteidigerin – die Frage gestellt haben, ob die Penetration (an welcher Körperstelle auch immer) auf freier Willensäußerung gegründet war.

Die Falle dabei besteht darin, dass gefordert wird, dass eine Frau sich nach Leibeskräften massiv zu wehren hat, damit „erwiesen“ ist, dass keine Freiwilligkeit vorliegt. „Bewiesen“ ist damit aber noch lange nichts – denn üblicherweise gibt es bei diesem Kapitalverbrechen keine Zeugen – Anwesende, die keine Nothilfe leisten, sind Mittäter (wegen unterlassener Hilfeleistung).

In beeinträchtigtem Zustand, egal ob durch Drogen – Volksdroge Alkohol mitgemeint – oder massive Angst, sind alle Wehrkräfte verschwunden, die verbalen wie die körperlichen. In meinem neuen Buch „Mit Recht und Seele“ (ab 19. Juli bei mir bestellbar s. www.perner.info) erkläre ich aber auch die Phänomene Freezing – das leibseelische Erstarren – wie auch Dissoziation, das Auseinanderfallen von leiblichem Agieren und seelisch-geistigem Bewusstsein; das eine kennen manche Menschen, wenn sie über 40° Fieber hatten – das andere aus Schockzuständen bei massiven Unfällen […]

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Ist Stefan Weber nun ein Plagiatsforscher oder ein Plagiatsjäger? (Kurier, 08.07.2021, S. 7), frage ich mich insgeheim – denn die Berufswahl und ebenso die Wahl des Forschungsgegenstands hat immer Wurzeln in der eigenen Biographie (bei mir auch). Denn: Was mit einem selbst nichts zu tun hat, interessiert nicht.

Das geistige Eigentum vor „Diebstahl“ zu schützen, ist wichtig – immerhin steckt da meist jahrelange Arbeit drin, oft auch höchstpersönliche Positionierung (wie sie aus konstruktivistischer Sicht korrekt ist, laut Albert Einstein kann man ja „Beobachtungen“ immer nur „am Beobachter“ wahrnehmen) und auch die Verarbeitung der seelischen Schmerzen, die einem von destruktiven Kritikern und Spöttern zugefügt werden, die sich dadurch einen Vorteil für sich selbst erhoffen.

Aber wo beginnt das geistige Eigentum?

Als ich mein Buch „Mut“ veröffentlichte, mailte mich eine empörte – öffentlich, außer vielleicht in ihrem persönlichen Umfeld, unbekannte – Tirolerin an, sie halte Seminare zu „Mutkompetenz“ und ich hätte ihre Rechte verletzt. Abgesehen davon, dass diese Wortschöpfung in meinem Buch gar nicht vorkommt, klärte ich diese Frau freundlich auf, dass das Wort Mut als Alltagswort nicht schützbar sei.

Selbst der Laut „Zisch“ kann laut EGH nicht markenrechtlich geschützt werden („Zisch“: Geräusch von Getränkedosen darf keine Marke sein – news.ORF.at) … und eine Politparole wohl auch nicht […]

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Ukrainische Soldatinnen sollen nach Ansicht ihrer Vorgesetzten bei Paraden in halbhohen Stöckelschuhen statt in Kampfstiefeln marschieren (news.ORF.at), auch wenn sie das schwieriger finden.

Die Botschaft dahinter lautet: Glaubt nur ja nicht, dass ihr den Männern gleichberechtigte Kämpferinnen seid – bleibt schön im weiblichen Rollenbild.

Wieder einmal geht Schönheit – die bekanntlich nur im Auge des Betrachters (männlich) liegt – vor Funktionalität und ebenso vor Gesundheit, vor allem aber vor Selbstbestimmung.

Füße sind unsere Verbindung mit dem Boden („Mutter Erde“), geben Halt, bestimmen unsere „Gangart“ (im Doppelsinn des Wortes) und spiegeln mit ihren Fußreflexzonen den gesamten Körper und dessen Gesundheitszustand wider, sogar den seelischen Kraftlevel. Kein Wunder also, dass im alten China den Frauen der Reichen absichtlich die Füße in Spindelform verkrüppelt wurden, sodass sie nicht mehr gehen konnten. (Armen und untergeordneten Frauen logischerweise nicht, die mussten ja arbeiten und dienen.) […]

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Die Zahl der Morde an Frauen seit Beginn des Jahres 2021 hat die Zahl 15 überschritten, und waren es bisher Strafmorde, so zeigt sich nach der sexualisierten Folter einer 29jährigen Elementarpädagogin, die ihr fast das biologische  Leben gekostet hat – vom psychosozialen Leben kann man nur hoffen, das es reanimiert werden kann – nunmehr ein totes 13jähriges Mädchen als Opfer; die Spuren an ihrem Körper deuten laut Medienberichten (Wien: Totes Mädchen mit Hämatomen an Baum gefunden – zwei Festnahmen | Welt (merkur.de)) auch auf ein vorhergegangenes Martyrium hin.

Nach der Festnahme von drei tatverdächtigen nach Selbstangaben jugendlichen Afghanen (und internationaler Fahndung nach einem vierten), beschäftigen sich die Medien und deren InterviewpartnerInnen fast ausschließlich mit der Frage der Abschiebung straffälliger Asylwerber in ihre Herkunftsländer; nur Rosa Logar von der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt hatte Gelegenheit, ihre Sicht auf nötige Verbesserung der Zusammenarbeit mit der Justizverwaltung darzulegen („Strikte Sanktionen, keine milden Maßnahmen“ – FALTER – FALTER.at).

Nun ist Täterzentrierung ein wichtiger Aspekt der tertiären Gewaltprävention – der Verhütung weiterer Straftaten durch manifeste Täter. Es darf aber nicht übersehen werden, dass primäre Gewaltprävention zum Selbstschutz noch wichtiger ist […]

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Frau stundenlang sexuell missbraucht“ lautet der Titel des Berichts in den Salzburger Nachrichten, 25. Juni 2021, S. 27.

Juristisch ist die Formulierung korrekt – und in diesem Fall wäre die in Therapeutenkreisen gängige Bezeichnung „die Überlebende“ die einzig korrekte – wurde in durch Alkohol und Drogen schwer beeinträchtigtem Zustand in die Wohnung eines der Angeklagten verbracht und dort massiv sexuell misshandelt. Sachgerecht ist diese Formulierung nicht: Sie wurde „sexuell gefoltert“.

Ein diesbezüglicher Straftatbestand wäre dringend einzuführen.

Liest man Art. 3 EMRK,

Artikel 3 – Verbot der Folter

Niemand darf der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
Anmerkung
Siehe dazu auch:
Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe, BGBl. Nr. 492/1987

so scheint es, als gelte dies nur für „Staatsgewalten“. Offensichtlich hat sich bisher niemand vorstellen können, dass so etwas im Alltag vorkommt – außer in den sogenannten Snuff-Pornos (Snuff-Film – Wikipedia), in denen Menschen – Frauen! – bis zum Tod gefoltert werden. Viele Menschen halten das „nur“ für Fakes – sind es aber nicht […]

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